Ach übrigens – still ist nicht gleich schüchtern

Die Gleichung stilles Kind = schüchternes Kind geht so nicht auf. Natürlich gibt es stille Kinder, die auch schüchtern sind. Kann sein. Muss aber nicht. Genauso wenig sind zwingend alle schüchternen Kinder vom Grundnaturell her still.

Es gibt Kinder wie Anna, die zunächst schüchtern sind oder wirken, dann aber nach einer Beschnupperungsphase auftauen und aufdrehen. Diese Kinder sind in vertrauter Umgebung ganz und gar nicht still.

Andere Kinder, nennen wir sie Sophie, sind vom Grundnaturell her einfach stiller, ruhiger als der Durchschnitt. Sie sind der Gegenpol zur wilden Hilde, die immer und überall eher lebhaft ist. Das eine ist so okay wie das andere, sollte aber trotzdem nicht gleichgesetzt werden. Denn während Anna nach dem Auftauen vielleicht begeistert bei den wildesten Spielen dabei ist, mag Sophie sowas einfach nicht. Es passt für sie einfach nicht. Da hilft kein „Sei doch kein Spielverderber!!!“ und kein „Stell dich nicht so an!!!“. Es gibt Menschen (nicht nur Kinder), die mögen das nicht. PUNKT! Bitte akzeptieren!

Manche Sophies mögen es auch manchmal etwas wild und laut. Bei Musik beispielsweise. Sonst aber gar nicht und nirgendwo.

Schüchtern oder Still?

Was unterscheidet denn Anna und Sophie?

Wenn Anna schüchtern ist, dann ist sie laut Duden:

scheu, zurückhaltend, anderen gegenüber gehemmt

Sie traut sich nicht, obwohl sie eigentlich gerne würde. Scheu (aus welchen Gründen auch immer) oder Hemmungen hindern sie daran, ihr wahres Naturell auszuleben.

Für die stille Sophie kennt der Duden unter anderem diese Definitionen:

ruhig, frei von Spannungen und Aufregungen
ruhig, frei von Hektik
zurückhaltend, nicht sehr gesprächig; in sich gekehrt

Ich sehe da ein ausgeglichenes Menschenkind vor meinem inneren Auge. Eines, das sich gut selbst beschäftigen kann und weitgehend in sich ruht. Unaufdringlich kann es sich ohne permanente Zuwendung von außen beschäftigen. Eins, das einfach nicht so viel reden muss oder will wie andere. Solange es das aus dem Gefühl heraus tut, gar nix sagen zu müssen, weil es auch so verstanden und akzeptiert wird, ist alles wunderbar.

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