Wenn Filme Angst machen

 

Das Thema Filme, die Angst machen, betrifft nicht nur stille Kinder, doch sie leiden oft besonders (und still) darunter. Gerade was den Medienkonsum angeht gibt es teils eine erschreckende Spanne: Siebenjährige, die ungerührt ausgewachsene Horroschocker anschauen sind das eine Extrem. Gleichaltrige, die von „Bambi“ oder „König der Löwen“ Alpträume bekommen oder beim Anschauen weinen müssen das Andere.

Wie machen Filme Angst?

Filme erzeugen Atmosphäre durch die Kombination von Bildern und Tönen. Sie zielen auf die Emotionen. Filme, in denen eine bedrohliche Situation erzeugt wird, lösen oft Ängste aus. (Ausgesprochene Horrorfilme natürlich erst Recht.  Die FSK stuft hier nicht grundlos ein.)

Auch beängstigende Situationen sind oftmals Thema in Filmen: die Konfrontation mit einem Raubtier, Naturgewalten oder Verlust und Tod beispielsweise. Filmblut wird oft großzügig verwendet, Menschen oder Tiere werden mit Waffen bedroht oder verletzt. Als Erwachsene können wir uns (mehr oder weniger gut) innerlich distanzieren. Kinder können das noch nicht. Auch wenn sie vielleicht schon verstehen können, dass das Filmblut künstlich ist, leben sie in der Regel stark mit.

Es ist nicht immer vorhersehbar, worauf Kinder reagieren. Es kann sein, dass irgendwas in einem eigentlich ‚harmlosen‘ Film das zuschauende Kind ‚triggert‘. Gerade sensible Kinder ziehen sich dann oft zurück, träumen schlecht, zeigen vielleicht sogar Ängste. Sehr empatische Kinder identifizieren sich stark mit Filmfiguren.

Was tun mit der Angst?

Ganz wichtig finde ich, den Kindern zu signalisieren, dass ihre Angst okay ist. Dass es ein Zeichen von Einfühlsamkeit ist, wenn sie mit Filmfiguren oder Tieren in Filmen mitleiden. Wenn dies bei einem altersgerechten Film auftritt, dann kann das ein guter Gesprächseinstieg sein. Im Gespräch kann die Angst benannt und deutlich gemacht werden.

In vielen Filmen und Geschichten haben die Hauptfiguren beispielsweise einen oder beide Elternteile verloren. Die Angst vor einem solchen Verlust trägt jedes Kind irgendwo tief in sich drin. Und – Hand auf’s Herz – wir können unseren Kindern leider nicht garantieren, dass ihnen das nicht passieren kann. Trotzdem ist es zumeist eher unwahrscheinlich, dass das passiert.

Als Elternteil können Sie Ihrem Kind aber vermitteln: „Jetzt bin ich für dich da!“. Es in den Arm nehmen und mit ihm gemeinsam durch die Angst gehen. Lassen Sie Ihr Kind nicht mit der Angst allein, aber versuchen Sie nicht, ihm die Angst auszureden. Wenn es möglich ist, dann schauen sie den angsteinflößenden Film gemeinsam zu Ende. Die meisten Kinderfilme haben ein Happy-End und tragen die ‚Lösung‘ schon in sich. Wenn das Kind völlig aufgelöst ist, dann vielleicht nicht gleich, aber bei passender Gelegenheit.

Das Alles bezieht sich auf altersgerechte und passende Filme. Wie können Sie die erkennen?

FSK

Es gibt die FSK, die freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Diese erteilt die FSK-Freigaben für Kinofilme und DVDs, die so definiert sind:

Die FSK-Kennzeichnungen erfolgen auf der Grundlage von §§ 12, 14 Jugendschutzgesetz. Sie sind gesetzlich verbindliche Kennzeichen, die von der FSK im Auftrag der Obersten Landesjugendbehörden vorgenommen werden. Die FSK-Kennzeichnungen sind keine pädagogischen Empfehlungen, sondern sollen sicherstellen, dass das körperliche, geistige oder seelische Wohl von Kindern und Jugendlichen einer bestimmten Altersgruppe nicht beeinträchtigt wird

Quelle: FSK

Was kann das konkret bedeuten?

  • Filme dürfen erst ab der angegebenen Altersgrenze zugänglich gemacht werden. Im Kino dürfen nur Personen in einen FIlm, die dafür alt genug sind. Eigentlich ist das Kassenpersonal zur Kontrolle des Alters verpflichtet.
  • Im Fernsehen werden Filme erst zu bestimmten Uhrzeiten ausgestrahlt, um jüngere Zuschauer zu schützen.
  • Zu Hause liegt es bei DVD/bluRay oder Internet in der Pflicht der Eltern, dafür zu sorgen, dass ihre Kinder keinen Zugang zu Filmen bekommen, für die sie zu jung sind. Das wird jedoch von Familie zu Familie unterschiedlich umgesetzt. Manche Familien achten wirklich streng darauf, dass ihre Kinder nur altersgemäße Medien sehen, andere sehen es lockerer oder können/wollen es nicht entsprechend einschränken. Teils haben Kinder unbeaufsichtigt freien Medienzugang, teils wird auch gemeinsam mit (älteren) Geschwistern oder Eltern etwas angeschaut, das für diese Altersgruppe noch nicht freigegeben ist.
  • Die Altersangabe bedeutet NICHT, dass Kinder in dem Alter solche Filme unbedingt toll finden oder verstehen. Es wird lediglich als ’nicht schädlich‘ eingestuft. Diese Einstufung orientiert sich sicherlich an einem angenommenen Durchschnitt. Jedes Kind ist individuell und so kann es sicherlich Abweichungen nach oben oder unten geben. Dennoch sind die Einstufungen der FSK nicht von der Hand zu weisen – ich behaupte, dass kein achtjähriges Kind einen FSK16 Film wirklich schadlos übersteht.

Empfehlenswerte Filme für die Altersstufe finden

Eine meiner liebsten Adressen, um wirklich empfehlenswerte Medien für Kinder zu finden: Flimmo.

Der Schwerpunkt von Flimmo liegt noch immer bei Fernsehsendungen, doch auch Kino, Hörmedien, Spiele und Internet finden dort Raum Flimmo gibt wirklich pädagogische Empfehlungen. Dort findet sich bei Bambi (FSK 0) auch der Hinweis: „Der Tod von Bambis Mutter kann Kindern sehr nahe gehen und sie verängstigen.“.

Noch eine tolle Adresse, eher Internetorientiert ist Schau-hin. Gerade zum Bereich Streaming, Games und Soziale Medien finden Sie hier wertvolle Informationen.

Gerade für jüngere Kinder plädiere ich auch für die gute alte DVD oder andere Medien, die man jederzeit anhalten kann. Die kann man einmal zusammen anschauen, um zu erkennen, wie gut das Kind sie versteht und verkraftet.

Medienkonsum grundsätzlich zu verbieten oder verhindern halte ich nicht für sinnvoll. Im verantwortungsvollen Rahmen tragen altersgerechte Filme zur Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes bei.

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