Wenn Jugendliche plötzlich introvertiert und schweigsam werden

ALARM!!!

Wenn Jugendliche plötzlich introvertiert und schweigsam werden, dann klingeln bei mir Alarmglocken!

Phasen der Nachdenklichkeit können vorkommen und zur normalen Entwicklung gehören. Eine gewisse ‚Maulfaulheit‘ gehört zur Pubertät ebenfalls oft dazu: „Lass dir doch nicht jedes Wort aus der Nase ziehen!“. Speziell für extrovertierte Eltern sind diese Eigenheiten vielleicht nicht ganz nachvollziehbar, doch wenn ein Jugendlicher im Großen und Ganzen ‚offen‘ bleibt, sich bei Nachfragen zugänglich zeigt, dann kann sich das alles im grünen Bereich bewegen. Gerade wenn dieser Jugendliche schon als Kind eher ruhig war, sind solche Rückzüge nicht unbedingt ein Grund zu großer Besorgnis. Doch je stärker die Verhaltensänderung und Abweichung vom Grundcharakter, desto lauter bimmelt die Glocke.

Verschließt sich ein Jugendlicher und macht völlig dicht, dann sehe ich die Gefahr, dass da jemand versucht, ganz viel mit sich selbst auszumachen – mehr als er eigentlich kann. Gerade in der Pubertät gehören Diskussionen zum wachsen und reifen dazu. Ziehen sich Jugendliche hier völlig raus, fehlen die notwendigen Anstöße von außen. Noch schlimmer wird es, wenn so ein Rückzug dann von unliebsamen Begleiterscheinungen in Form von Alkohol oder Drogen verstärkt wird. Besteht hier ein begründeter Verdacht, dann bitte Hilfe von außen dazuholen. Mehr zu diesem Aspekt gibt es im Interview mit Steffen Flügler nachzulesen, insbesondere führt er darin folgende Warnsignale auf:

-Wechsel des Freundeskreises

-Schulischer Einbruch

-Vernachlässigung der Interessen (z.B. früher nachgegangenen Hobbys)

-Extreme Unzufriedenheit, Aggression, Niedergeschlagenheit oder ähnliche Emotionen

-Stimmungsschwankungen

-Rückzug aus dem sozialen Umfeld

-Geheimniskrämerei

-Lügen

-Chronischer Geldmangel

Wirkt der Jugendliche in seiner Zurückgezogenheit auch noch antriebsschwach oder traurig, sollte ggf. auch eine depressive Episode ausgeschlossen werden. Auch diffuse Kopf- oder Bauchschmerzen können in diese Richtung deuten.

Doch malen wir den Teufel nicht an die Wand. Als relativ normal betrachte ich die Tatsache, dass häufig das Elternhaus an Einfluss verliert und nicht mehr als Hauptansprechpartner betrachtet wird und sich Jugendliche hier zurückziehen. Umso wichtiger, dass Jugendliche andere, erwachsene Bezugspersonen haben. Ob nun aus der Verwandschaft, der Nachbarschaft oder auch der Jugendpflege – es ist notwendig, dass Jugendliche irgendjemanden, besser noch mehrere Personen zum Reden und Diskutieren haben:

  • Menschen, die Ansprechpartner sein können und wollen und gleichzeitig so gefestigt sind, dass sie eine halbwegs sinnvolle Orientierung bieten können.
  • Menschen, die anders ticken als die Eltern, aber trotzdem nicht in vollkommen anderen Sphären unterwegs sind.
  • Menschen, die älter sind als die Eltern und eine gewisse Gelassenheit an den Tag legen können, gerade auch, weil sie nicht in den Alltagsbetrieb eingebunden sind.
  • Menschen, die andere Prioritäten setzen als die Eltern.

Jugendliche suchen Orientierung, brauchen das Gefühl, ernst genommen und wertgeschätzt zu werden – nicht nur von den Eltern, bzw. gerade auch dann, wenn es Konflikte mit den Eltern gibt.

Natürlich ist vieles einfacher, wenn in der näheren Umgebung eine Tante/ein Onkel, Oma oder Opa leben und der Draht zum Kind im besten Fall auch da ist. Aber auch wenn nicht, dann findet sich sicherlich irgendwo jemand – umso einfacher dann, wenn schon das jüngere Kind Kontakte zu Erwachsenen aufbauen und pflegen darf. Ob nun zur netten älteren Nachbarin mit dem niedlichen Hund, dem verschrobenen Künstler am Ende der Straße oder dem Musikfreak mit den langen Haaren. Gerade Kinder, die eher zu den stilleren Zeitgenossen gehören, pflegen in der Regel gerne Kontake zu Erwachsenen, geben Sie ihnen diese Chance.

Und zu guter Letzt – versuchen auch Sie bitte immer wieder behutsam in Kontakt mit Ihrem Jugendlichen zu kommen und zu bleiben. Sprechen Sie mit ihm, auf Augenhöhe und wertschätzend. Entdecken Sie den jungen Erwachsenen in Ihrem Gegenüber!

Auf gute Gespräche!

Sollen schüchterne Kinder besser erst später in den Kindergarten?

Ich glaube, diese Frage lässt sich nur sehr schwer pauschal beantworten. Einerseits sind sowohl Kindergarten als auch Schule für schüchterne Kinder oftmals anstrengender als für andere. Trotzdem ist gerade für sie die Gewöhnung an den Kontakt zu anderen Kindern schon wichtig. Zumindest dann, wenn Homeschooling nicht (ohne weiteres) möglich ist. Dass Kinder immer andere Kinder ganz unbedingt brauchen würde ich selbst so nicht unbedingt unterschreiben, aber bleiben wir in der bundesdeutschen Realität mit Schulpflicht und gehen davon aus, dass Schule anstehen wird.

Gerade Kinder, die selbst nicht nur stiller, sondern auch sensibler als andere sind, leiden oft unter dem Geräuschpegel in Kita und Schule. Eine echte ‚Abhärtung‘ oder Gewöhnung wird nach meiner Erfahrung in der Regel nicht wirklich funktionieren. Das wächst sich auch nicht aus – nicht in dem einen Jahr, das sich in Bezug auf die Einschulung vielleicht noch ‚rausschlagen‘ lässt und auch nicht in der Kindergartenzeit.

Wenn es möglich ist, dass Kinder in ‚Randzeiten‘ in den Kindergarten können, dann kann das unter Umständen so viele positive Erlebnisse bringen, dass der Krach der Kernzeit in Kauf genommen wird. Meine Tochter ging ziemlich gerne nachmittags, wenn nur ganz wenige Kinder da waren. Dann war es nicht nur insgesamt leiser, sie konnte dann mit etwas Glück auch eine ganze Praktikantin für sich allein haben, die begeistert mit ihr bastelte, malte und spielte…. kleiner Luxus. Die Vormittage verkürzten wir, indem ich sie möglichst spät brachte.

Auch das Konzept des Kindergartens kann eine große Rolle spielen. Gibt es Rückzugsmöglichkeiten, Ruhebereiche, können die Kinder dem größten Trubel ausweichen? Oder tobt im Gruppenraum durchgehend der Bär? Wie sind die Räumlichkeiten angelegt, wie das Außengelände? Wenn es Wahlmöglichkeiten zwischen unterschiedlichen Einrichtungen gibt, dann lohnt es sich darauf zu achten. Gerade lärmempfindliche Kinder können unter Umständen in Waldkindergärten sehr gut aufgehoben sein. Montessori- oder Waldorfeinrichtungen können möglicherweise besser passen als Regelkindergärten. Aber auch bei diesen gibt es gewaltige Unterschiede – in den Konzepten und vor allem darin, wie diese gelebt und umgesetzt werden.

Ein weiterer ganz wichtiger Punkt können Freunde sein. Wenn es vielleicht schon eine beste Freundin/einen besten Freund gibt, dann kann das den Einstieg ganz gewaltig erleichtern. Dann ist der Rest möglicherweise sogar nebensächlich. Zwar ändern sich in diesem Alter Freundschaften oft noch sehr schnell und sollten eigentlich nicht das einzige Kriterium sein. Eigentlich…. aber uneigentlich können sie auch erstaunlich lang Bestand wahren und tatsächlich ein ‚Rettungsanker‘ in einer nicht so günstigen Umgebung sein.

 

Stillen Kindern einen Wunsch abschlagen

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Empfehlenswertes Buch!

Ich glaube, das ist ein heißes Thema: Zu dem ruhigen, schüchternen Kind, das sich ‚endlich mal getraut hat‘ einen Wunsch zu äußern, Nein sagen. Gehts da nur mir so, oder ist das noch schwerer als es ohnehin schon ist? Gerade wenn es um solche Themen wie ‚Mama, kannst du mal für mich fragen‘ geht, kann so ein Nein aber ganz besonders wichtig sein.

Der dänische Familientherapeut Jesper Juul hat ein Buch übers Nein sagen geschrieben: „Nein aus Liebe – Klare Eltern – starke Kinder“. Seitdem ich es gelesen und besprochen habe, lässt mich der Gedanke an die stillen Kinder in diesem Zusammenhang nicht mehr los. Ist es nicht ihnen gegenüber besonders schwierig, klar zu bleiben? Zu sich selbst zu stehen, auch wenn das bedeutet, ihnen Wünsche abzuschlagen? Steckt nicht in Schüchternheit auch sowas wie ‚Macht‘? Nicht unbedingt bewusst kalkuliert, aber unterschwellig doch als erfolgreicher Weg?

Nehmen wir mal die Situation auf dem Spielplatz: „Mama, kannst du das Kind im roten Pulli fragen, ob es mit mir spielt?“.

Das ‚übliche‘ Prozedere wäre ja nun, dem stillen Kind gut zuzureden, zu versuchen, ihm zu helfen. Was aber, wenn Mama (oder Papa) freundlich und aus innerster Überzeugung antwortet: „Nein, ich möchte das Kind nicht fragen. Ich möchte jetzt auf der Bank sitzen und mich ausruhen.“

Die innerste Überzeugung wird wohl die erste Hemmschwelle sein. Können Sie die überwinden? Hand aufs Herz – Ihr Kind kann sich artikulieren, es ist eigentlich alt genug, um selbst fragen zu können. Warum also sollten Sie das für Ihr Kind tun?

  • Weil sie es ihm doch nicht zutrauen, dieses Problem selbst zu lösen?
  • Weil Sie Angst haben, dass Ihr Kind das Nein als Ablehnung seiner Person betrachtet?
  • Weil Sie Angst vor seiner Frustration haben?
  • Weil Sie Ihre eigene Unlust, jetzt von der sonnigen Bank aufzustehen und ein fremdes Kind anzusprechen als weniger wert einschätzen als die Ihres Kindes, das selbst zu tun?
  • Um des lieben Friedens willen?
  • Weil Sie einfach nicht Nein sagen können?

Eigentlich ist es doch einleuchtend, dass Ihr Kind durch Ihr (freundliches und begründetes) Nein die Chance erhält, sich in einer ungemütlichen Situation eine neue und eigene Lösung zu suchen. Durch solche selbstgefundenen Lösungen kann es sich weiterentwickeln und wachsen. Stärker werden, selbstsicherer.
Durch das richtige Nein kann es erfahren, dass ein Nein zur Sache keine Ablehnung seiner Person darstellt. Dieses ‚richtige Nein‘ zu lernen ist eine Herausforderung für uns Eltern, denn es darf nicht in die destruktive Richtung abrutschen. Nicht zum Vorwurf werden.

„Ich hab dir doch schon hundertmal gesagt, dass du das endlich selbst machen sollst!“, „Wann wirst du dich endlich mal trauen!“ sind genauso wenig hilfreich wie „Stell dich doch nicht so an!“. Gerade stillen Kindern setzen solche Aussagen oft extrem zu. Wenn sie aber durch liebevolles Nein erfahren dürfen, dass das eben keine Ablehnung ihrer Person beinhaltet, sondern die Eltern ihre eigenen Bedürfnisse artikulieren, dann kann das liebevolle aber klare Nein die stillen Kinder ganz besonders stärken. Zum einen durch die eigenen Bemühungen. Zum anderen aber auch durch die Vorbildfunktion. Denn wie sonst, soll das Kind erfahren, dass es legitim ist, eigene Bedürfnisse zu haben und zu äußern?

Mitarbeit in der Schule verbessern – 10 Ideen für Eltern und Kinder

tipps für elternWas können Sie zu Hause tun, um Ihrem Kind die mündliche Mitarbeit in der Schule zu erleichtern? Das Web wimmelt von Tipps und Ratschlägen dazu und alles scheint dann so einfach. Ich denke aber, an allererster Stelle sollte hier ein wenig ‚Ursachenforschung‘ vorangestellt werden: woran liegt es denn, dass Ihr Kind nicht im gewünschten Maß mitarbeitet?

  1. Sind nur bestimmte Fächer betroffen? Sind die einfach nur ‚uninteressant‘? Können Sie bei Ihrem Kind Interesse dafür wecken, beispielsweise durch gemeinsames Recherchieren in Büchern oder im Internet?
  2. Gibt es hier womöglich ernsthafte Wissenslücken? Wie können die aufgeholt werden? Nachhilfe, Abfragen oder gemeinsames Nacharbeiten der Themen.
  3. Oder kommt Ihr Kind mit dem Lehrer, der dieses Fach unterrichtet, einfach nicht klar? Gibt es dafür konkrete Gründe oder Vorfälle, irgendwelche ungeklärten Situationen oder eine allgemeine Antipathie? Im letzteren Fall kann ein Gespräch mit Kind beim jeweiligen Lehrer unter Umständen Wunder wirken. Per Zufall hatten wir diese Situation einmal bei einem Elternsprechtag, die Resulate waren in dem Fall so überzeugend, dass bei Folgeveranstaltungen das jeweils betreffende Kind mit ‚musste‘.
  4. Spricht Ihr Kind generell eher wenig? Fehlt so einfach die Übung und Fertigkeit im mündlichen Ausdruck? Lassen Sie es erzählen, führen Sie Gespräche mit ihm. Fragen Sie nach und lassen sie sich Zusammenhänge erklären. Erarbeiten Sie gemeinsam mit Ihrem Kind einen neuen Sachverhalt. Der muss gar nichts mit der Schule zu tun haben, das kann ein Kochrezept sein, eine Bastelanleitung oder die Planung eines Familienausflugs.
  5. Ist Nervosität die Ursache? Dann können Entspannungsübungen unter Umständen hilfreich sein. Aber auch die gemeinsame Vorbereitung/Nachbereitung des Schulstoffs kann zusätzliche Sicherheit verleihen. Bis etwa zur 6. Klasse kann auch ein Glücksbringer oder Handschmeichler in der Hosentasche weiteren Rückhalt bieten, bei den ‚Großen‘ kann die SMS oder WhatsApp-Botschaft vor Schulbeginn oder in der Pause manchmal noch unterstützen.
  6. Haltung, Blickkontakt und die Stimme lassen sich zu einem gewissen Maß auch trainieren, das ist gerade dann hilfreich, wenn allgemeine Unsicherheit die Ursache ist.
  7. Kleine konkrete Schritte: Meldeplan und Smiliezettel können helfen, erwünschtes Verhalten schrittweise einzuüben. Für jedes Mal Melden gibt es einen Smilie, für eine bestimmte Anzahl an Smilies dann eine kleine Belohnung. Diese sollte möglichst nicht materiell sein, sondern eher in Richtung gemeinsamer Unternehmungen oder kleiner Privilegien gehen, bei 10 Smilies gibt es beispielsweise das Lieblingsessen.
  8. Wird Ihr Kind aufgerufen und hat noch nicht zu Ende gedacht? Es kann Zeit geben, um die Gedanken zu sortieren, wenn die Frage des Lehrers zunächst wiederholt wird. Wenn die entsprechenden Lehrer darauf eingehen, können auch als Alternative vorbereitete Sachen wie Hausaufgaben, Referate etc. zur mündlichen Benotung mit herangezogen werden.
  9. Ist es in der Klasse eher laut? So richtig lokalisieren kann ich die Ursache gar nicht, aber ich habe beobachtet, dass stille Kinder in lauten Klassen sehr viel stärker untergehen, als in Klassen, in denen der Lärmpegel nicht so hoch ist. Gleichzeitig empfinde ich es auch als ganz besonders schwierig, hier Gegenmaßnahmen zu treffen. Ein wenig kann vielleicht helfen, das Reden im Lärm zu trainieren, also ruhig mal das Radio an, den Staubsauger eingeschaltet und das Kind dagegen ‚anbrüllen‘ lassen. Hat Ihr Kind auch noch eine eher leise Stimme, dann kommt es damit vielleicht (zumindest gefühlt) gar nicht gegen das laute Grundrauschen an. Hilfreich kann hier oft auch ein Gespräch mit dem jeweiligen Klassenlehrer und ggf einzelnen Fachlehrern sein. Diesen ist das Problem zwar zumeist ohnehin bewusst, in manchen Fällen lassen sie sich aber auch auf (mehr) alternative Noten ein.
  10. Selbsteinschätzung: ist Ihrem Kind bewusst, wie seine Beteiligung vom Lehrer wahrgenommen wird? Weicht dieser Wert stark von der vergebenen Note ab, sehe ich Gesprächsbedarf.

Diese Aufzählung ist mit Sicherheit nicht vollständig und wird nicht in jedem Fall passen. Aus meiner Erfahrung gibt es DEN Lösungsweg nicht und kann ihn auch nicht geben, da zu unterschiedliche Charaktere und Ursachen betroffen sind. Detailliertere Lösungswege lassen sich in einer individuellen Beratung finden.

 

Mündliche Noten – 10 Ideen für Lehrer stiller Kinder

tipps zur mündlichen noteGerade zu den Zeugnissen sorgt das Thema immer wieder für Verzweiflung – die mündliche Mitarbeit. Stille Kinder gehen hier oft einfach unter, gerade in großen Klassen werden sie kaum wahrgenommen.Wenn sie sich einfach nur still und ruhig verhalten, dabei aber den Unterricht aufmerksam verfolgen, geben mündliche Noten oft ein verzerrtes Bild der Leistungen wieder. Ganz besonders dann, wenn sie nur zweimal pro Halbjahr vergeben werden.

Hier zehn Vorschläge, wie (weitere) mündliche Noten vergeben werden können:

  1. Viele kleine Noten: Ein Artikel auf der Website Lehrerfreund bestätigt das, was auch meiner Wahrnehmung entspricht: Viele Noten ergeben ein objektiveres Bild. Wie dies ohne großen Zeitaufwand machbar ist, können Sie hier nachlesen. Ein weiterer großer Vorteil dieser Methode: die Notengebung wird dokumentiert und dadurch ransparent; im nächsten Elterngespräch kann ganz klar aufgezeigt werden, wie die Noten zustande gekommen sind.
  2. Stundenprotokolle: wenn jede Stunde ein Schüler ein Stundenprotokoll erstellt, dann ist es nicht nur eine weitere Note für diesen Schüler, sondern auch gleichzeitig etwas, was (möglichst ohne die Note) auch an Mitschüler weitergegeben werden kann, die diese Stunde versäumt haben, weil sie beispielsweise krank waren. Darüberhinaus entsteht so auch ein ‚Unterrichtsarchiv‘, indem beispielsweise nachgeschaut werden kann, welcher Lernstoff noch in den nächsten 10-Stundentest fällt.
  3. Hausaufgaben einsammeln: Dieser Klassiker kommt all denen entgegen, die fleißig und ordentlich ihre Hefte führen und Hausaufgaben erledigen, auch wenn sie sich im Unterricht eher still verhalten. Wird es von Beginn des Schuljahres an regelmäßig gemacht, werden größere Wissenslücken vermieden, bzw. früh erkennbar.
  4. Ausarbeitung von Lernmaterialien in Form von Folien, Handouts oder Präsentationen: Hier zeigt sich schnell, wie gut die Fähigkeiten im eigenständigen Erarbeiten von Inhalten entwickelt sind, zumindest dann, wenn es während der Unterrichtszeit geschehen kann. Beachten Sie hier auch die Methodik der Bearbeitung – wie systematisch und sorgfältig geht ein Schüler ans Werk?
  5. Abfragen/Aufrufen: Zu Beginn jeder Stunde werden Vokabeln, Matheaufgaben oder die wesentlichen Ergebnisse der letzten Physikstunde in wenigen Minuten abgefragt und benotet. Jede Stunde kommt ein anderer Schüler dran, nach Möglichkeit in nicht vorhersehbarer Reihenfolge.
  6. Qualität der Unterrichtsbeiträge stärker gewichten: Manche Kinder tragen eher selten zum Unterricht bei, liefern dann aber besonders hochwertige Beiträge. Notieren/markieren Sie sich diese, damit sie nicht in der Masse untergehen.
  7. Heftnoten: im Idealfall eher häufig Einige als nur gegen Ende des Halbjahres. Jeder Schüler sollte im Laufe des Schuljahres drankommen, kritische Kandidaten eher früh und gegebenenfalls mehrfach.
  8. ggf. Arbeiten am Computer: Manche introvertierte Kinder sind echte Computercracks, die nicht nur daran spielen, sondern ihn nutzen, um sich Wissen anzueignen. Wer findet informative Websites oder auch YouTube-Videos zum aktuellen Unterrichtsthema?
  9. Wurde der Unterrichtsinhalt verstanden? Gezieltes Aufrufen oder Nachfragen zeigt, ob Schüler dem Thema aufmerksam gefolgt sind oder sich während der Stunde weggeträumt haben.
  10. Selbsteinschätzung: Lassen Sie Schüler eine Selbsteinschätzung vornehmen. Weicht diese sehr stark von Ihrer Einschätzung ab, besteht Gesprächsbedarf.

Weiterführende Links für Lehrer:

Sieben Tipps für gerechtere mündliche Noten

Kriterien und Maßstäbe für die mündliche Leistungsbeurteilung

Gerne entwickle ich auch für Ihre Schule im Rahmen eines Fortbildungsworkshops ein passendes Modell, um die mündliche Notengebung einfacher, transparenter und effizienter zu gestalten.

 

Linktipp zum Thema Stottern

linktippAuf der Homepage der Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V. gibt es jede Menge Informationen, auch zum Download, zum Thema Stottern.

Auch wer nicht betroffen ist, sollte zumindest das Faltblatt „Hinweise zum Gespräch mit Stotternden“ gelesen haben.

Meiner Meinung nach lassen sich diese Hinweise auch ziemlich genauso auf Gespräche mit schüchternen Kindern oder solche mit anderen Sprechstörungen übertragen.

Mein Kind wird im Kindergarten geschubst und geärgert

Schubserei im Kindergarten

Was tun bei Vorfällen im Kindergarten?

Ein Problem, das wahrscheinlich viele Eltern stiller Kinder kennen – im Kindergarten werden Kinder geschubst, umarmt oder auch ungewollt geküsst. Es wird geärgert, gehänselt, Sachen weggenommen und dergleichen mehr. Nicht die wirklich schlimmen Übergriffe, sondern mehr solche kleineren Regelverstöße. Welche, die man als Elternteil nicht unbedingt aufbauschen will, die aber das eigene Kind belasten. Vor allem, wenn es zur braven oder einsichtigen Sorte gehört, das nicht selbst gegen Regeln verstoßen möchte, dann wird es schwierig.

Zu diesem Thema erreichte mich eine Leserfrage. Das Kind der Leserin möchte nicht zurückschubsen, auch nicht, um sich aus einer ungewollten Umarmung zu lösen, weil es damit gegen die Kindergartenregeln verstößt und Angst vor Schimpfe hat. Den Erzieherinnen will es auch nichts sagen.

Spätestens wenn sich solche Vorfälle wiederholen, sehe ich die Notwendigkeit das Gespräch mit zumindest einer Erzieherin zu suchen, am Besten zusammen mit dem Kind. Ihr die Vorfälle kurz schildern und nachfragen, wie sich das bedrängte Kind in einer solchen Situation verhalten kann.

Traut sich Ihr Kind die Situation selbst zu erzählen? Oder müssen Sie vielleicht den möglichst sachlichen Anfang machen, vielleicht auch den ganzen Sachverhalt so schildern, wie Sie ihn erzählt bekommen haben?

Denn natürlich können Erzieherinnen nicht überall sein, alles mitkriegen, immer eingreifen. Weshalb es wichtig ist, dass ein Kind weiß, wie es sich verhalten darf/kann/soll.

Und deshalb sollten Sie konkret nachfragen, wie sich Ihr Kind verhalten soll, wenn es sich bedrängt oder angegriffen fühlt. Bitte ohne Vorwürfe und Schuldzuweisungen! Lieber bei dieser konkreten Fragestellung bleiben, wie sich Ihr Kind in einer solchen Situation bemerkbar machen kann. Nicht drauf drängen, dass der ‚Übeltäter‘ bestraft wird, Schuldige ausgemacht werden oder was auch immer, sondern lediglich nach erwünschtem Verhalten fragen.

Wichtig ist dabei auch, dass dem Kind vielleicht mehrere Möglichkeiten aufgezeigt werden, die mit den aufgestellten Regeln des Kindergartens harmonieren, aber auch zu diesem speziellen Kind passen. Eine kompetente Erzieherin wird mit Ihrem Kind gemeinsam eine stimmige Lösung finden und in der nächsten Zeit verstärkt ein Auge drauf haben. Wird ein solches Gespräch konstruktiv geführt, dann haben im Idealfall davon alle Beteiligten mehrfachen Nutzen:

  • Das Kind erfährt Rückhalt und muss sich nicht alleingelassen fühlen.
  • Es bekommt klare Aussagen darüber, wie es sich verhalten darf.
  • Der Kindergarten erfährt von einem Konflikt und kann das Thema gegebenenfalls mit allen Kindern besprechen.
  • Die Eltern haben dem Kind gezeigt, wie eine solche Situation bewältigt werden kann – oder zumindest ein Anfang dafür gemacht wird.

Eventuell gibt es auch eine ‚Gegendarstellung‘ der Begebenheit. Und wenn die ganz anders ausfällt?

Wenn alles ’nicht so schlimm‘ war?  – Ihr Kind hat sich in der Situation unwohl gefühlt und möchte wissen, wie es sich verhalten kann.

Wenn es gar nicht sooo unschuldig war? – Ihr Kind hat sich in der Situation unwohl gefühlt und möchte wissen, wie es sich zukünftig verhalten kann, ohne gegen die Regeln zu verstoßen.

5 Ideen wie schüchterne Kinder Freunde finden

Kontakte knüpfen

5 Ideen wie Kinder Anschluss finden

Gerade stille Kinder tun sich oft schwer damit, Kontakte zu anderen Kindern zu knüpfen. Während der coole Vierjährige ganz lässig über den Spielplatz schlendert und solange fragt, bis jemand mit ihm schaukelt oder fußballspielt, sitzt die stille Fünfjährige verschüchtert bei Mama auf der Bank und flüstert ihr ins Ohr „Kannst du nicht mal fragen?“

Angst vor Zurückweisung kann dabei eins der Hauptmotive sein, denn wenn ich jetzt frage, ob das Kind mit mir spielen will, was, wenn es nein sagt? Und Hand aufs Herz – wem von uns Erwachsenen fiele es denn ein, jemand Wildfremden zu fragen „Möchten Sie sich mit mir unterhalten?“ – klingt doch wirklich irgendwie komisch, oder?

Nein, wir Großen haben da unsere eleganten Umwege gefunden. Wir fragen ob der Platz noch frei ist, schwätzen dann übers Wetter usw. Interessiert uns wirklich, wie die Person das Wetter findet? In der Regel wollen wir doch Kontakt, ein bisschen Unterhaltung und das möglichst, ohne eine peinliche Absage. Zeigen wir doch unseren Kleinen solche ‚Tricks‘.

1. Was anbieten

Magst du auch ein Stück Apfel? Oder einen Keks oder ein Bonbon oder vielleicht ein Sandförmchen und eine Schaufel? Das ist nicht nur nett, sondern auch konkret. Und eine eventuelle Ablehnung bezieht sich ja nicht auf mich, sondern auf Apfel/Keks/Sandförmchen. Und das allerbeste – sowas geht auch als

 

 2. Nonverbale Annäherung

Man kann einen Keks auch wortlos anbieten, einfach die Schachtel einladend hinhalten. Und wenn man sich mal ein bisschen Zeit zum gemeinsamen Beobachten nimmt, dann fallen vielleicht noch mehr Strategien ohne Worte auf. Der Junge, der sich vom Sandkastenrand her mit seinem Auto immer näher zu den beiden Straßenbauern bewegt, lotet ganz vorsichtig aus, ob er vielleicht bei der großen Baustelle mitwerkeln darf. Wird Ablehnung erkennbar, dann kann sein Auto mit ein bisschen Gebrumm ein paar Kilometer weiterfahren. Die Puppenmutter, die so gestresst mit dem anstrengenden Baby ist, freut sich vielleicht über Unterstützung beim Puppenwagen hin- und herschieben. Das Kind auf der Wippe wartet doch eigentlich nur auf das Gegengewicht und auch auf der Rutschbahn kann sich Kommunikation ergeben.

 

3. Den Anfang machen

Die Grüppchen sind schon gebildet und machen auch keine Anstalten, jemanden dazuzulassen? Schwierig, aber nicht aussichtslos, auch wenn hier zumindest am Anfang vielleicht ein wenig Unterstützung gebraucht wird. Dabei, etwas anzufangen, das auch für andere interessant ist und zum Mitspielen verlockt. Und damit meine ich jetzt keinesfalls das noch tollere Spielzeug, sondern die eigentlich ganz einfachen kleinen Spiele, die trotzdem nichts von ihrem Reiz verloren haben. Steine, Stöcke, Blätter lassen sich zu Mandalas oder Bildern legen oder im Sandkasten verbauen oder verkochen. Aufgemalte Hüpfekästchen oder Bilder mit Straßenkreide (sofern dafür eine geeignete Fläche da ist) laden zum mitmachen ein. Und auch Gummitwist (selbst wenn erstmal ein Baum und Mama dafür herhalten müssen) oder Fadenspiele machen Kindern immer noch Spaß. Wer Spielsachen mitnimmt, kann darauf achten, dass sie sich von mehreren gemeinsam nutzen lassen, wie beispielsweise die Kreide oder Sandsachen. Ein paar Luftballons oder Seifenblasen gehen immer. Abzählreime oder Klatschspiele finden sich in Büchern oder im Internet, auch hier kann eventuell erstmal Mama als Einstieg gebraucht werden.

Weitere Spielideen finden sich beispielsweise bei MultiKulti, Zzzebra und Kinderspiele-Welt.

 

4. Gemeinsame Interessen

Begrenzt lassen sich auch auf dem Spielplatz gemeinsame Interessen erkennen. Das Pferde-T-Shirt, das Fußballtrikot oder die gerade angesagten Serienhelden auf Kleidung oder Tasche können die Kontaktaufnahme erleichtern. Vom Spielplatz losgelöst ist das eine der Möglichkeiten um auf Dauer ausgerichtete Kontakte zu knüpfen. In Vereinen oder Kursen können auch zurückhaltende Kinder oft Gleichgesinnte kennenlernen. Sinnvoll ist es, wenn diese Angebote in der Nähe sind und Verabredungen dann auch einigermaßen unkompliziert ausgemacht werden können.

 

5. Trau mir was zu (ein bisschen Langeweile macht einfallsreich)

Das alles sollte aber nicht zur Dauereinrichtung werden. Mit zunehmendem Alter des Kindes kann und soll sich eine Mutter immer weiter rausziehen. Wenn die oben angeführten Vorschläge ein paarmal funktioniert haben, sollte das Kind selbst in Kontakt treten können. Unterstützend können Sie Ihrem Kind Fragen stellen wie „Du möchtest mit diesem Kind/diesen Kindern spielen? Was könntest du tun, damit sie das merken?“ Helfen Sie gegebenfalls noch einen ‚Plan‘ zu machen – solange dieser Plan nicht „Mama mach du“ heißt. Helfen Sie Ihrem Kind, aber lassen Sie sich nicht zu sehr vor den Karren spannen. Trauen Sie Ihrem Kind zu, dass es das Problem selbst lösen kann, wenn es wirklich Interesse daran hat. Und wenn es nicht gleich eine Lösung findet? Ein bisschen Langeweile macht kreativ. Wenn Sie sich mit etwas beschäftigen, das Sie interessiert und nicht zur Verfügung stehen, dann wird Ihr Kind sehr wahrscheinlich eine Lösung finden.

Haben Sie Fragen, weitere Ideen oder Anregungen dazu?

Nutzen Sie die Kommentarfunktion oder schreiben Sie mir eine Mail (info(at)stilles-kind.de).

introvertiert und unverstanden

Hand aufs Herz – jeder fühlt sich doch immer mal wieder unverstanden, oder?

Was also hat das mit introvertiert zu tun?

Wahrscheinlich mehr als es auf den ersten Blick scheint.

Zum einen gibt es da das tatsächliche Unverständnis der extrovertierten Umwelt. „Warum sagst du denn nichts, wenn es dir nicht passt?“

Wer nicht der Typ ist, sich bemerkbar zu machen, wenn irgendwas schiefläuft, der hat oft ganz generell ein Problem damit, Unmut zu äußern. Hat oft Schwierigkeiten, seine Bedürfnisse zu äußern und noch viel mehr, sie gegen eventuellen Widerstand durchzusetzen. Die ‚Lauten‘ können beispielsweise ein Ruhebedürfnis oft nicht verstehen und bügeln das dann manchmal als ungerechtfertigt ab. „Stell dich doch nicht so an!!“

In meinen Augen ist das die Totschlagphrase schlechthin. Nur schwer an Arroganz zu überbieten. Und vermutlich doch von vielen ruhigen Menschen viel zu oft gehört, bis zur Entmutigung. Häufig folgt Schritt für Schritt ein Rückzug, als Reaktion auf diesen oder ähnliche Sprüche. Zum einen, um dem Ruhebedürfnis irgendwie gerecht werden zu können – zum anderen aber auch aus diesem Gefühl des Unverstandenseins heraus.

Da trifft bei Stillen „ich bleib in meinem Zimmer, da nervt mich niemand“ mit „die verstehen einfach nicht, dass mir das zuviel ist“ zusammen. Ein tatsächliches Bedürfnis (Ruhe) mit dem Frust des Unverstandenseins. Und bei ‚Normalos‘ kann so schnell ein Eindruck entstehen „der ist langweilig!“ oder auch „der mag mich nicht!“.

Doch zum anderen bleibt ‚Normalos‘ gerade durch diese Rückzüge und das frustrierte Nichtmitteilen auch die Chance verwehrt, verstehen zu können. Was natürlich wieder das Gefühl des Unverstandenseins weiter fördert….